Ironman 70.3 – Antwerps

Antwerps

Antwerp Ironman 70.3 – Ein echter Härtetest für Mensch und Maschine

Anfang des Jahres hatte ich mir den Ironman 70.3 Antwerpen als Saisonhöhepunkt ausgesucht, und das aus zwei Gründen: Zum einen habe ich vor über 20 Jahren für drei Jahre in der Nähe von Antwerpen gelebt und hatte so die Gelegenheit, ein wenig in meine eigene Vergangenheit zu reisen und zum anderen sollte mir der Kurs liegen, um mich für die Ironman 70.3-WM in Clearwater, Florida zu qualifizieren. Jedenfalls hoffte ich das, auch wenn die letzten Trainingswochen alles andere als ideal verliefen…

Nach einer staureichen Anreise aus Hamburg erreichten meine Freundin Jasmin und ich am Freitag abend Antwerpen und nach einer fast zweistündigen Irrfahrt durch die Stadt auch unser Hotel.

Nach einem netten Ausflug in die zuvor genannte Heimat ging es am Samstag abend auf die sogenannte „Triathlon-Expo“, um die Startunterlagen abzuholen. Diese „Messe“ spottete leider jeder Beschreibung. 15 Minuten anstehen, um die Unterlagen zu erhalten, lediglich ein Anbieter für Triathlonbekleidung, keinerlei Merchandising für die Veranstaltung, ein einziger Teller mit verkochten Nudeln und kalter Soße, der für Nicht-Triathleten satte 10,-€ kosten sollte… Mehr brauche ich wohl nicht zu sagen! Aber eines sei für die komplette, absolut nicht ironmanwürdige Veranstaltung gesagt: Die Helfer waren immer freundlich und sehr engagiert.

Der Sonntag morgen sollte schon mal schlecht beginnen. Mit dem falschen Bein aufgestanden regte ich mich furchtbar über das komplett verdreckte Geschirr in unserem Hotel auf. Ich hatte ohnehin schon keine rechte Lust heute zu starten, denn das Wetter versprach ungemütlich zu werden und der Pannentag sollte noch weiter gehen…

Kurz vor dem Start das erste Problem mit meinen Zipp-Laufrädern: Die Ventilaufsätze wollten nicht richtig funktionieren und zu allem Überfluss platzte auch noch ein Reifen in der Wechselzone. Gott sei Dank konnte ich dort einen Mechaniker finden, der mir nicht nur die Reifen flickte, sondern auch gleich noch gescheite Ventile montierte.
Schnell noch in den Neo und ab ins Wasser.

Das Schwimmen verlief für mich erwartungsgemäß recht durchwachsen, denn a) bin ich nicht der beste Schwimmer und b) war die Strecke für knapp 1200 Triathleten schlicht zu eng, was eine gnadenlose Hauerei im Wasser bedeutete.

Besser sollte es jedoch auf dem Rad laufen, wo ich zunächst mit Rückenwind ein Höllentempo vorlegte und mich gleich um mehrere hundert Plätze nach vorne arbeiten konnte. Was jedoch die Freude ein wenig trübte, war eine Radstrecke, die so unglaublich schlecht war, das man sich das fast nicht vorstellen kann. Dutzende Bahnschienen wurden bei voller Fahrt überquert, die Straße war schlecht und von tiefen Schlaglöchern übersät. Zunächst bedeutete dies für jeden von uns, dass er Trinkflaschen, Flickzeug, Reifen und anderes Material an den Bahnübergängen liegen ließ, als dann aber auch noch Regen einsetzte, sollten etliche Triathleten gleich mit ihrem Material hart auf den Asphalt donnern. Und dann kamen auch noch Schiedsrichter hinzu, die das Windschattenverbot sehr genau nahmen und gleich beim kleinsten Verstoß mit Zeitstrafeb um sich warfen, als gebe es keinen Morgen mehr. Ich habe selten eine solche Schlange in der Penalty-Box (in die auch ich mich erstmals nach über 40 Triathlons einreihen durfte) und eine solche Flut an Disqualifizierungen wie hier gesehen. Generell sicherlich ein guter Weg, aber ein wenig Fingerspitzengefühl schadet sicher auch nicht…
Nach eben genannter Zwangspause machte ich mich dann auf den abschließenden 3-Runden-Kurs durch die Antwerper Innenstadt, der sehr nett anzuschauen, aber leider auch völlig stimmungsfrei war.
So erreichte ich letztendlich von Krämpfen geplagt und völlig verausgabt das Ziel, wo jeder Finisher von dem belgischen Rollstuhl-Athleten Marc Herremans eine handtellergroße Medaille umgehängt bekam. Bis zu diesem Zeitpunkt war dies sicher mein größter Moment an diesem Tag, denn selten habe ich einen Menschen mit einem solchen Lebenswillen, wie Marc Herremans gesehen.

Getoppt wurde dieses Ereignis jedoch noch, als ich abends tatsächlich den begehrten Slot für das Finale in Clearwater im erwürdigen historischen Rathaus von Antwerpen erhielt.

Ich freue mich, dass meine Saison noch ein paar Monate länger dauert und werde am 08. November 2008 aus Florida berichten! Mein spezieller Dank gilt vor allem meiner Familie und meiner Freundin Jasmin, die mich auf diesem Weg dahin unterstütz haben und erst möglich gemacht haben, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte!

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